Sunday, January 29, 2006

Web 2.0

Keiner weiss was es ist, keiner weiss wer es braucht, vielleicht ist es ja teilweise schon da oder vielleicht kommt es auch gar nicht - kaum, dass einige Unternehmen wie Google und eBay tatsächlich Geld (ja, richtiges Geld) im Internet verdienen, zeichnet sich schon wieder die nächste Bubble ab... und die grosse Frage lautet: sind die Investoren schon wieder leichtsinnig genug, Milliarden in eine leere Worthülse reinzupumpen? Warum rechtfertigt die stetig fortschreitende Evolution des Internets bzw. WWW gerade jetzt heute neue Versionsnummer - und nicht schon vor 2 Jahren oder erst in 3 Jahren?

Saturday, January 28, 2006

Intelligentes Design

Wir alle lieben intelligentes Design. Formschöne MP3-Spieler, einfach bedienbare Waschmaschinen, ergonomische Kochlöffel, ausgefallene Beleuchtungssysteme - Halt, von dieser Art von intelligentem Design ist hier leider nicht die Rede. Vielmehr geht es um einen pseudoreligösen Angriff auf die Evolutionstheorie. Die Debatte fand letztes Jahr in den USA statt, und ich würde dieses Thema gar nicht mehr aufgreifen, wären nicht vor wenigen Tagen erschreckende Neuigkeiten bekannt geworden: Auch mehr als die Hälte der Briten sind nicht von der Evolutionstheorie überzeugt, 40% sind der Meinung, Kreationismus oder Intelligentes Design (ID) sollten an den Schulen gelehrt werden.
Im Gegensatz zur Evolutionstheorie gehen die Verfechter von ID davon aus, dass die Entwicklung des Lebens auf der Erde von aussen - sei es eine göttliche Instanz oder hochentwickelte Ausserirdische - beeinflusst worden sind.
Damit ignorieren Sie nicht nur die Erkenntnisse der Naturforscher, die diese in den letzten paar Jahrhunderten zusammen getragen haben, sondern werfen auch gut 100 Jahre Wissenschaftstheorie über den Haufen. Ein religiöser Glauben (und um nichts anderes handelt es sich dabei) ist nun einmal nicht das gleiche wie eine wissenschaftliche Theorie.
Man stelle sich das nur mal bildlich vor: Im Biologieunterricht erklärt der Lehrer Genetik und das Prinzip von Mutation und Selektion um schliesslich mit den Worten zu schliessen: "Aber vielleicht hat auch der liebe Gott ein wenig herumgebastelt oder es waren die grünen Männchen aus den fliegenden Untertassen." Absurd, nicht? Aber es wäre den Verfechtern von ID noch zu wenig, denn sie wollen ihre "Theorie" gleichwertig mit der Evolutionstheorie unterrichtet sehen.
Die Wissenschaft, wie sie heute betrieben wird, hat zwar nicht auf alle Fragen die perfekte Antwort, aber sie ist dennoch das beste System zur Erkenntnisgewinnung, was wir zu bieten haben. Es sei denn, man ist der Ansicht, dass sich Naturgesetze durch einen Mehrheitsbeschluss festlegen lassen.

Tuesday, January 24, 2006

Windows Vienna

Es kommt erst 2012 auf den Markt (oder später, die Erfahrung zeigt, dass sich solche Termine auch mal verschieben können); aber da es momentan nach der österreichischen Hauptstadt benannt wird, beherrscht es die aktuellen Diskussionen stärker als das in ein paar Monaten erwartete Windows Vista. Tja, und da es sich bei "Vienna" nur um einen Codenamen während der Entwicklungsphase handelt und das endgültige Produkt vermutlich ganz anders heissen wird, braucht die Stadt Wien auch nicht auf Gratiswerbung ausserhalb der IT-Szene freuen.
Warum wählt Microsoft diesen Namen, wo doch die Stadt Wien (zumindest teilweise) auf Linux umsteigen will? Vermutlich eben darum. Der Umstieg auf Linux ist freiwillig, da ist doch die Ehre, dass das übernächste Windows nach der eigenen Heimatstadt benannt wird, ein guter Grund, bei Windows 2000 zu bleiben, oder?

Thursday, January 19, 2006

Urheberrechtsabgabe auf PCs und Drucker

Jetzt ist diese Dummheit aus Deutschland also auch zu uns herübergekommen:
Literar Mechana und die Verwertungsgemeinschaft bildender Künstler haben sich darauf geeinigt, künftig an den Verkäufen von PCs und Druckern mit zu verdienen. Und wieder eine Zwangsabgabe mehr, die faktisch keiner demokratischen Kontrolle unterliegt, für die kein Politiker den Kopf hinhalten muss.
Hey, ich würde auch gerne eine "Verwertungsgemeinschaft bloggender Geeks" gründen, die nach Lust und Laune - gesetztlich gedeckt - mit fadenscheinigen Begründungen Urheberrechtsabgaben kassieren darf.

Wissensökonomie (knowledge economy)

Zuerst war die Agrarwirtschaft, dann kam die Industrialisierung. (Zugegeben, diese Darstellung ist etwas vereinfacht.) Nun, da beides durch zunehmende Rationalisierung und die Verlagerung in billigere Regionen des Globus nicht mehr als unerschöpflichen Quellen für Arbeitsplätze herhalten kann, stehen wir vor der Alternative, neue Beschäftigungsfelder zu finden oder uns auf permanent steigende Arbeitslosenraten einzustellen. Letzters ist politisch nicht mehrheitsfähig, daher: Willkommen in der Dienstleistungsgesellschaft. Aber damit nicht genug, denn so einfach ist die Sache nicht.

Es sollte ziemlich einleuchtend sein, dass lokal zu erbringende Dienstleistungen (z.B. Gebäudereinigung) zwar keinem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, aber ebensowenig exportiert werden können. Daraus folgt, dass sie die Aussenhandelsbilanz des Landes nicht verbessern. Daher können Sie auch nicht zum Ausgleich des Defizites beitragen, das unweigerlich entsteht, wenn die industrielle Produktion woanders stattfindet und die Güter importiert werden.

Um hochwertige - exportfähige - Dienstleistungen erbringen zu können, die nicht so einfach in den Osten globalisiert werden, braucht man eine magische Zutat... etwas, was sich nicht so einfach auf einen Sattelschlepper packen lässt... Wissen! Und damit sind natürlich nicht die plumpen Fakten gemeint, die im Internetzeitalter den Lastzug sogar noch überholen, sondern intelligente und qualifizierte Leute, die heute schon an der Lösung der Probleme von morgen arbeiten.

Verfolgt man die entsprechenden Diskussionen, landet man aber bald in einem reinen Statistikvergleich: Land x hat so-und-so-viele Uni-Absolventen, Land y so-und-so-viele. Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit werden höhere Investitionen in Schulen und Universitäten gefordet, auf das noch besser ausgebildete Arbeitskräfte noch mehr Wissen für die Wissensökonomie produzieren.

Diese Sache hat aber einige Haken:
  • Die Dummen werden nicht weniger. Je weiter man sie durch das Bildungssystem schleift, desto mehr leidet dort das Niveau.

  • Grossen Errungenschaften gehen von wenigen Spitzenleuten aus, und diese Leute sind sehr mobil.

  • Kreativität, Beharrlichkeit, Geschäftssinn und Glück, die Voraussetzungen zum Erfolg, lassen sich nicht erzwingen. Wer darüber verfügt, wird sich das nötige Fachwissen auch ohne staatlich verordnete Akademikerquote aneignen.

Wednesday, January 18, 2006

PodCast

Zu meiner Jugend konnte man Radiosendungen auf Kassette aufnehmen und im Walkman hören.
Konnte man, hat man aber nicht.
Heute könnte man sowas ähnliches wie Radiosendungen aus dem Internet laden und z.B. auf tragbaren MP3-Spielern abspielen. Aber wozu? Noch mehr Information Overload?

AJAX

Dank JavaScript, XMLHttpRequest und DOM ist es nun möglich, das gleiche zu erreichen, was man im Prinzip seit Jahren mit Java-Applets, ActiveX und Flash (und genaugenommen auch mit anderen Tricks) erreichen konnte: Webapplikationen, die auf Benutzereingaben reagieren, ohne die ganze Seite nachladen müssen.
Gleichzeitig wird es durch die zunehmende Verbreitung von Breitband-Internetanbindung aber immer unkritischer, bei jeder Aktion die ganze Seite nachzuladen; Mobiltelefone und ähnliche Geräte, bei denen die Bandbreite noch eine Rolle spielen könnte, sind wiederum nicht AJAX-fähig.
Gut zu beobachten ist hier jedenfalls die Tendenz, immer mehr unterschiedliche Sprachen gleichzeitig für die Web-Entwicklung obligatorisch zu machen. Früher, in Zeiten von Web 1.0, reichten HTML und eine serverseitige Sprache (z.B. PERL) aus, um z.B. einen Webshop zu bauen. Naja, dazu kommt meist noch SQL für die Datenbank.
Eine 2006 zeitgemässe Webapplikation verwendet zumindest folgende Sprachen:
  • XHTML
  • CSS
  • JavaScript
  • XML
  • serverseitige Sprache + Framework (z.B. ASP.net, Ruby on Rails)
  • SQL
Es wird also alles komplexer, aber wozu? Kaum eine Webseite zeigt oder tut mehr, als man vor 5 Jahren mit HTML 3.2 auch hinbekommen hätte.

Ortstafelstreit

Anstatt dem Urteil des Verfassungsgerichtshofes Genüge zu tun und endlich in Kärnten die vorgeschriebenen zweisprachigen Ortstafeln aufzustellen, will der Kärnter Landeshauptmann Jörg Haider lieber regelmässig die Ortstafeln um einen halben Meter verschieben, um so ein rechtliches Schlupfloch zu schaffen. Warum diese kindische Verschwendung von Steuergeldern, fragt sich der verwunderte Beobachter? Ein Blick auf den Kalender lüftet das Geheimnis: Es ist wieder einmal ein Wahljahr! Und wie man bei der Wiener Landtagswahl vom letzten Herbst beobachten konnte, zieht momentan die nationalistische Pauke wesentlich stärker als der Neidkomplex. Es ist also zu erwarten, dass sich bei den kommenden Wahlen BZÖ und FPÖ am rechten Rand gegenseitig überholen wollen.

Vogelgrippe

Eine Tierkrankheit, die seit vielen Jahren immer wieder auftritt und die in Einzelfällen auch auf Menschen übertragen wurde. Ist gerade auf dem besten Weg dazu, Atomkrieg, AIDS und Al Kaida als Hauptsorge Nummer 1 abzulösen.
Durch die Vermischung des A/H5N1-Virus mit menschlichen Grippeviren könnte eine Krankheit entstehen, die von Mensch zu Mensch übertragbar ist und die nächste Pandemie (auch so ein Schlagwort) auslöst. Und wenn es dazu kommt, könnte das Medikament Tamiflu für die Behandlung geeignet sein.
Merken Sie, wieviel "könnte" hier vorkommt? Momentan scheint mir die Gefahr, sich aus Angst vor der Vogelgrippe zu Tode zu saufen, größer zu sein als die durch A/H5N1 ausgehende Gefahr selbst.

Heisse Luft, die uns bewegt

Was sind die Themen, über die jeder redet - aber bald keiner mehr?
Die Hypes und Worthülsen, die leeren Versprechungen, überzogenen Erwartungen und die neuen Schläuche mit altem Wein?
Hier werden sie gesammelt, aufgezeichnet und unbarmherzig analysiert.
Profundes Halbwissen mit kurzer Halbwertszeit.