Geiz
Seit die Elektronikkette Saturn das Motto "Geiz ist geil" zu ihrem Slogan erkoren hat, wurde dieses Wort zum Inbegriff einer bestimmten Haltung der Konsumenten. Diese drückt sich unter anderem in der Weigerung aus, den Mehrwert für Markenprodukte zu bezahlen, statt dessen werden billigere No-Name-Produkte bzw. Eigenmarken der Händler gekauft. Die Werbewirtschaft und die Markenartikelindustrie werben daher auf Plakaten für den Kauf von Markenartikeln; diese werden "billigen" Produkten der fiktiven Marke "Geiz" (etwaige Ähnlichkeit mit der Billa-Eigenmarke "Clever" ist sicher nur Zufall) gegenübergestellt.
Ist Geiz wirlich geil? Diese Frage sollten sich nicht nur die Konsumenten stellen, sondern ebenso auch die Industrie. Im Zuge der Debatte um die Globalisierung liest der interessierte Konsument regelmässig, dass Produktionsbetriebe ins billigere Ausland verlagert werden, dass hochpreisige Produkte von Zulieferbetrieben in Entwicklungsländern stammen und sich "die Wirtschaft" (man verzeihe mir diese Verallgemeinerung) generell nur noch auf die nächste Quartalsbilanz konzentriert. Warum sollte der Konsument in dieser Situation für ein Markenprodukt mehr bezahlen, wenn das Markenversprechen zu einer hohlen Phrase wird?

