Wissensökonomie (knowledge economy)
Zuerst war die Agrarwirtschaft, dann kam die Industrialisierung. (Zugegeben, diese Darstellung ist etwas vereinfacht.) Nun, da beides durch zunehmende Rationalisierung und die Verlagerung in billigere Regionen des Globus nicht mehr als unerschöpflichen Quellen für Arbeitsplätze herhalten kann, stehen wir vor der Alternative, neue Beschäftigungsfelder zu finden oder uns auf permanent steigende Arbeitslosenraten einzustellen. Letzters ist politisch nicht mehrheitsfähig, daher: Willkommen in der Dienstleistungsgesellschaft. Aber damit nicht genug, denn so einfach ist die Sache nicht.
Es sollte ziemlich einleuchtend sein, dass lokal zu erbringende Dienstleistungen (z.B. Gebäudereinigung) zwar keinem internationalen Wettbewerb ausgesetzt sind, aber ebensowenig exportiert werden können. Daraus folgt, dass sie die Aussenhandelsbilanz des Landes nicht verbessern. Daher können Sie auch nicht zum Ausgleich des Defizites beitragen, das unweigerlich entsteht, wenn die industrielle Produktion woanders stattfindet und die Güter importiert werden.
Um hochwertige - exportfähige - Dienstleistungen erbringen zu können, die nicht so einfach in den Osten globalisiert werden, braucht man eine magische Zutat... etwas, was sich nicht so einfach auf einen Sattelschlepper packen lässt... Wissen! Und damit sind natürlich nicht die plumpen Fakten gemeint, die im Internetzeitalter den Lastzug sogar noch überholen, sondern intelligente und qualifizierte Leute, die heute schon an der Lösung der Probleme von morgen arbeiten.
Verfolgt man die entsprechenden Diskussionen, landet man aber bald in einem reinen Statistikvergleich: Land x hat so-und-so-viele Uni-Absolventen, Land y so-und-so-viele. Zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit werden höhere Investitionen in Schulen und Universitäten gefordet, auf das noch besser ausgebildete Arbeitskräfte noch mehr Wissen für die Wissensökonomie produzieren.
Diese Sache hat aber einige Haken:
- Die Dummen werden nicht weniger. Je weiter man sie durch das Bildungssystem schleift, desto mehr leidet dort das Niveau.
- Grossen Errungenschaften gehen von wenigen Spitzenleuten aus, und diese Leute sind sehr mobil.
- Kreativität, Beharrlichkeit, Geschäftssinn und Glück, die Voraussetzungen zum Erfolg, lassen sich nicht erzwingen. Wer darüber verfügt, wird sich das nötige Fachwissen auch ohne staatlich verordnete Akademikerquote aneignen.


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