Wednesday, September 26, 2007

Iranische Atombombe

OK, zugegeben: Wenn es mit den irakischen Waffenvernichtungswaffen schon so gut geklappt hat, dann kann man es doch gleich nochmal probieren. Von jeglichen Beweisen ungbefleckte Propaganda, deren nicht existenter Wahrheitsgehalt sich erst nach dem Militärschlag herausstellt. Wer nicht bis Anfang nächsten Jahres warten kann, hier schon mal die Meldungen, die dann durch die Medien gehen werden:
USA und verbündete fordern den Iran aus, die IAEA-Inspektoren Zugang zu allen Anlagen zu gewähren. Iran behauptet, die Inspektoren hätten Zugang zu allen Anlagen. USA und Verbündete kontern, die Inspektoren hätten keinen Zugang zu den geheimen versteckten Anlagen, weil die eben offiziell gar nicht exisitieren. Iran leugnet die Existenz der geheimen versteckten Anlagen, was allgemein als mangelnde Kooperationsbereitschaft interpretiert wird. USA legt geheimdienstliche Berichte vor, die von Beweisen über die Existenz der geheimen versteckten Anlagen reden, ohne die genaue Position der geheimen versteckten Anlagen zu nennen - aus taktischen Gründen, versteht sich. Wozu sollte man dem Iran auch die Position der enttarnten Anlagen nennen, das würde doch nur dazu führen, dass schleunigst alles verdächtige Material von dort wegtransportiert wird.
Es folgt das übliche Eskalationsszenario mit Sanktionsforderungen, dem Veto von Russland und China im Weltsicherheitsrat und schliesslich irgendwann Mitte März oder so, wenn das Wetter günstig ist, der grossangelegte Luftschlag gegen die militärischen Ziele, die jetzt schon feststehen. Und nach einem anfänglich schnellen, letztlich aber sehr langwierigem Krieg durchsucht man die geheimen versteckten Anlagen und findet gar nichts, was auf Fortschritte im militärischen Atomprogramm des Iran hindeuten würde. Na wenigstens ist das Volk von der Diktatur des bösen Präsidenten befreit und zum Glück hat das Volk genug Erdölvorräte, um die Befreier für ihren heldenhaften Einsatz angemessen zu entlohnen.

Saturday, June 09, 2007

Komatrinkende Jugendliche

Früher hätte man "Vollrausch" geschrieben oder "Alkoholvergiftung". Von "exzessivem Alkoholgenuss" und "Filmriss" wäre die Rede gewesen. Aber mal ehrlich: Das kennt doch jeder, das haben viele schon mal gemacht und das gibt doch niemals eine Schlagzeile her. Ein neues Wort muss her, um den altbekannten Sachverhalt dramatisch zu beschreiben: "Komatrinken" - das klingt pathologisch und final. Und solange jeder einzelne derartige Vorfall eine Schlagzeile auf der Titelseite wert ist, haben die Halbstarken einen Anreiz, den Rekord zu brechen - 14 Jahre, 12 Jahre, 9 Jahre, wer bietet weniger! Die 15 Minuten Ruhm warten auf euch! Aber nicht zu lange warten, mit 16 ist das schon normal und reicht nicht mal für eine ehrenvolle Erwähnung im Bezirksblatt, es sei denn, posthum.

Friday, March 23, 2007

CO2

Einmal ein warmer Winter (der durch einen eiskalten März wieder relativiert wird) und schon erscheinen die Weltuntergangspropheten. CO2 ist neuerdings die Quelle des Treibhauseffektes, der unser Klima zum Kippen bringt. (Warum ist das in den letzten 200 Jahren niemandem aufgefallen?)
Dummerweise lässt sich der CO2-Ausstoss nur dadurch vermindern, dass man auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe verzichtet. Das heisst, das Öl und Gas müssen im Boden bleiben und die Kohle im Berg. Das wird verdammt hart... aber zum Glück wird in ein paar Monaten die CO2-Panik schon wieder durch eine andere Massenhysterie abgelöst, damit kann alles beim alten bleiben. Solange es halt noch fossile Brennstoffe gibt. Mein Vorschlag zur Reduzierung des CO2-Ausstosses: Weniger nutzloses Zeug kaufen.

Sunday, May 07, 2006

Mehr!

Die Werbung hat nach dem bis zum Erbrechen angebeteten Geiz endlich ein neues Wort für sich entdeckt: "Mehr". Ein prominentes Beispiel ist die aktuelle Kampagne von One, wo es heisst: "Schluss mit Weniger - her mit mehr". Aber Sie finden sicher noch mehr Beispiele dieser Art. Soll das heissen, dass nach dem Geiz nun endlich die Gier drankommt - also nicht möglichst wenig zahlen für eine fixe Leistung, sondern mehr kriegen für ein fixes Entgelt?

Bedauerlicherweise beinhaltet das Wort "mehr" eine implizite Unzufriedenheitsgarantie - man kann niemals ein "mehr" kriegen, das auch morgen noch ein "mehr" ist, denn sobald man es hat, wird daraus ein "gleichviel". Es ist also zu befürchten, dass durch diesen Trend die bestehende Konsumverweigerung nur kurzzeitig überwunden wird - genau solange, bis es die Konsumenten das Maximum an mehr gekriegt haben und die Anbieter nicht mehr können.

Wednesday, May 03, 2006

Bawag/Refco/ÖGB Affäre

Kaum ein Tag vergeht, an dem keine neuen Peinlichkeiten in dieser Angelegenheit auftauchen. Man fragt sich oft, wieviel Geld die Banken eigentlich bei den Privatkunden abzocken müssen, um sich solche Späße leisten zu können. Immerhin haben jetzt die Bonzen demonstrativ Sparbücher bei der Bawag eröffnet, um ihr Vertrauen in diese Bank zu demonstrieren. Da möchte ich doch glatt 10 Cent dazulegen, das würde in Relation passen (und mehr will ich nicht verzocken).

Sunday, March 26, 2006

Voting

Eigentlich ein Unwort, dieses Schlagwort. Egal ob Casting-Show oder Internet-Umfrage, dieses Wort begegnet uns erschreckend häufig, oft noch in hässlichen Deutsch-Englisch-Kombinationen wie z.B. "Saalvoting". Warum verwendet man eigentlich dieses Wort und nicht das deutsche Wort "Wahl" oder "Abstimmung"? Die Antwort ist ganz einfach: die deutschsprachigen Begriffe erwecken den Eindruck, dass man eine Wahl hat oder die eigene Stimme etwas zählt. Das ist beim Voting aber nicht so. Ein Voting ist Beschäftigungstherapie für die Unwichtigen. Sie dürfen voten, aber nicht wählen. Ihre Stimme zählt nicht, ausser beim SMS-Voting, wo jede Stimme ein paar Cent wert ist.

Sunday, February 26, 2006

Geiz

Seit die Elektronikkette Saturn das Motto "Geiz ist geil" zu ihrem Slogan erkoren hat, wurde dieses Wort zum Inbegriff einer bestimmten Haltung der Konsumenten. Diese drückt sich unter anderem in der Weigerung aus, den Mehrwert für Markenprodukte zu bezahlen, statt dessen werden billigere No-Name-Produkte bzw. Eigenmarken der Händler gekauft. Die Werbewirtschaft und die Markenartikelindustrie werben daher auf Plakaten für den Kauf von Markenartikeln; diese werden "billigen" Produkten der fiktiven Marke "Geiz" (etwaige Ähnlichkeit mit der Billa-Eigenmarke "Clever" ist sicher nur Zufall) gegenübergestellt.
Ist Geiz wirlich geil? Diese Frage sollten sich nicht nur die Konsumenten stellen, sondern ebenso auch die Industrie. Im Zuge der Debatte um die Globalisierung liest der interessierte Konsument regelmässig, dass Produktionsbetriebe ins billigere Ausland verlagert werden, dass hochpreisige Produkte von Zulieferbetrieben in Entwicklungsländern stammen und sich "die Wirtschaft" (man verzeihe mir diese Verallgemeinerung) generell nur noch auf die nächste Quartalsbilanz konzentriert. Warum sollte der Konsument in dieser Situation für ein Markenprodukt mehr bezahlen, wenn das Markenversprechen zu einer hohlen Phrase wird?